Gottesdienste aktuell - zur Verteilpredigt

Vorläufig werden wir nur monatlich Gemeindegottesdienste in unserer Kirche feiern. An manchen Sonntagen bieten wir Verteilpredigten an, die hier veröffentlicht werden und die Sie in der Woche davor im Pfarramt bestellen können. An anderen Sonntagen werden wir hier Videogottesdienste anbieten. In der Regel finden Sie hier auch Fürbitten für den jeweiligen Sonntag.

Gottesdienste der kommenden Zeit

Am 19. Sonntag nach Trinitatis (18. Oktober) ist um 9.30 ein Kurzer Gottesdienst mit Pfr. Fitterer-Pfeiffer in der Kirche.

Am 20. Sonntag nach Trinitatis (25. Oktober) ist die Kirche von 9-11 zum Gebet geöffnet. Am Samstag liegt eine Verteilpredigt ab 14 Uhr vor der Kirche aus, die Predigt kann auch bis Freitag, 23.10. 10 Uhr im Büro bestellt werden, dann wird Sie Ihnen in den Briefkasten eingeworfen.

Am 21. Sonntag nach Trinitatis (1. November) ist die Kirche von 9-11 Uhr zum Gebet geöffnet. Am Samstag liegt von 14-18 Uhr, am Sonntag von 9-11 eine Verteilpredigt vor der Kirche aus. Die Predigt kann bis 30. Oktober 10 Uhr im Pfarrbüro bestellt werden, dann wird Sie Ihnen in den Briefkasten eingeworfen.

Am 22. Sonntag nach Trinitatis (8. November) ist die Kirche von 9-11 Uhr zum Gebet geöffnet. Am Samstag liegt von 14-18 Uhr, am Sonntag von 9-11 eine Verteilpredigt vor der Kirche aus. Die Predigt kann bis 6. November 10 Uhr im Pfarrbüro bestellt werden, dann wird Sie Ihnen in den Briefkasten eingeworfen.

Am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres (15. November) ist um 9.30 Uhr ein kurzer Gottesdienst mit Pfr. Fitterer-Pfeiffer in der Kirche. Voranmeldung bis Freitag, 10 Uhr im Büro (705881) hilft einen Sitzplatz zu garantieren.

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres (Ewigkeitssonntag)  (22. November) ist die Kirche von 9-13 Uhr zum Gebet geöffnet. Kerzen zum Gedenken an Verstorbene des vergangenen Kirchenjahres stehen bereit. Immer einmal wieder spielt die Orgel.
Am Samstag liegt von 14-18 Uhr, am Sonntag von 9-13 eine Verteilpredigt vor der Kirche aus. Die Predigt kann bis 20. November, 10 Uhr im Pfarrbüro bestellt werden, dann wird Sie Ihnen in den Briefkasten eingeworfen.

Verteilpredigt für Sonntag, 25. Oktober 2020 (20. nach Trinitatis)

"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." (Micha 6, 8)


Predigtabschnitt: Markus 2,23-28

23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen.

24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?

25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren:

26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren?

27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.

28 So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.


Liebe Gemeinde,

in den letzten Tagen begegnete mir eine Videoaufnahme von einem Mitarbeiter des Weißen Hauses, der interviewt werden sollte. Für das Interview nahm er seine Mund- und Nasenbedeckung ab. Kaum hatte er diese abgenommen blitzten die Kameras und die Journalisten waren einmal mehr begeistert, einen Mitarbeiter des Weißen Hauses ohne Mund- und Nasenbedeckung zu fotografieren. Als dem Mitarbeiter Trumps das klar wurde, ärgerte er sich so darüber, dass er für das Interview nicht mehr zur Verfügung stand. Deutsche Medien verbreiten das Video weiter und entrüsten sich darüber, dass Trumps Mitarbeiter solche Idioten sind, dass sie andauernd ohne Mund- und Nasenbedeckung rumlaufen wollen.

Ich halte Donald Trump als Präsidenten der USA für unerträglich. Auch sein Umgang mit der Pandemie ist gefährlich. Aber wenn ein Mitarbeiter des Weißen Hauses keine Mund- und Nasenbedeckung trägt, solange er drei oder vier Meter von dem nächsten Menschen entfernt steht, bedeutet das gar nichts. Inzwischen ist es aber in den USA zu einer Situation gekommen, in der die Mund-Nasen-Bedeckung zum Unterscheidungskriterium zwischen den Guten und den Leichtsinnigen, zwischen Anständigen und Wissenschafts-verächtern geworden ist. Die Leute werden daran gemessen, ob sie Maske tragen, nicht daran, ob sie sinnvoll handeln.

So geht es uns Menschen manchmal mit Regeln. Regeln, die an sich sinnvoll sein mögen, werden nicht mehr als sinnvolle Regeln wahrgenommen, sondern als Erkennungszeichen für Gruppen-zugehörigkeit.

Ähnliches war in Israel mit dem Sabbatgebot passiert. Da gab es einerseits diejenigen, die sich an die römischen Besatzer anpassten und deswegen den Feiertag nicht mehr ernst nahmen. Da gab es Arbeitgeber, denen das Sabbatgebot allemal ein Dorn im Auge war und die es lieber gesehen hätte, ihre Erntehelfer arbeiten sieben Tage in der Woche anstatt jede Woche einen ganzen Tag Pause zu machen. Und auf der anderen Seite gab es eben die Pharisäer, die machten die Einhaltung des Sabbat zum entscheidenden Kriterium, ob man zu den „Guten“ gehört. Jesus aber ist nicht bereit, die Welt nach so einfachen, simplen Kriterien in gut und böse einteilen zu lassen.

Zur Einhaltung des Sabbat gehört für Jesus gerade nicht, dass der Sabbat als Unterscheidungskriterium genutzt wird, sondern dass nach dem Sinn des Sabbatgebotes gefragt wird.


Der Wochenspruch lässt es einfach erscheinen, richtig zu handeln: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." Aber ganz so einfach ist es nicht. Rechtes Handeln braucht einerseits Regeln, andererseits auch – nennen wir es „Liebe“.

Immer wieder stehen wir bei der Frage, was richtig ist, was gut ist, wie wir handeln sollen, vor dem Problem: Halten wir uns streng an vorgegebene Regeln oder denken wir intensiv über die Frage nach, was den Menschen hilft und alle weiter bringt?

Ich erinnere mich gut an eine Situation, da wollte ich unseren ältesten Sohn bei seiner Babysitterin abholen, bei der er untergebracht war, während ich Schulunterricht geben musste. Auf dem Weg kurz vor der Wohnung der Babysitterin war eine Ampel. Die Ampel zeigte rot. Weit und breit kein Auto. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Ich hatte noch 50 Meter zu gehen und war eigentlich schon zu spät dran. Lieber ich hole meinen Sohn pünktlich ab, als jetzt an der roten Ampel noch eine Minute zu verlieren. Kaum war ich bei rot über die Straße gegangen, winkte mir mein fünfjähriger Sohn vom Balkon der Babysitterin zu und schimpfte mit mir, dass ich nicht auf rote Ampeln achte.

Leicht passiert es, dass wir meinen, wir haben alles bedacht, wenn wir eine Regel brechen und rechtfertigen uns damit, dass die Regel nur eingeschränkt hilfreich ist. Der Grund sie zu brechen scheint uns überaus wichtig. Den Schaden – das schlechte Beispiel für meinen Sohn – übersehen wir gerne. Darum neige ich einerseits dazu zu sagen: Beachte eine Regel lieber einmal zu viel als zu we-nig. Das Diskutieren der Regeln, das eigene Beurteilen verführt uns oft dazu, Regeln leichtfertig zu brechen – meist zum eigenen Vorteil.

Das sture Einhalten von Regeln oder Gesetzen kann uns aber andererseits auch den Blick auf den Sinn und Zweck aller Regeln und Gesetze verstellen: den Menschen zu dienen!

In Extremsituationen kann das besonders wichtig werden: Während der Zeit des Dritten Reiches war der Eid vieler Beamter oder Soldaten, den sie auf Hitler geschworen hatten ein Grund, das Unrechtssystem der Nazis weiter zu unterstützen. Sie sahen nicht, dass Recht und Gerechtigkeit und die Liebe zu unterdrückten Menschen eher gefordert hätten, diesen Eid zu brechen.

Heute kann es im Mittelmeer passieren, dass Menschen ertrinken, weil staatliches Unrecht das Retten von Flüchtlingen erbietet. Wer aber die Not Ertrinkender sieht, hat die Aufgabe Menschen zu retten – unabhängig davon, was Staaten für groteske Gedankenkonstruktionen errichten, um den Tod von Flüchtlingen zu rechtfertigen.

Im Zusammenhang der Botschaft Jesu gilt es darüber hinaus noch einen anderen wichtigen Aspekt zu beachten: Zentrales Anliegen Jesu ist: „Richtet nicht!“ Verurteilt Menschen nicht, weil sie anders handeln, als ihr es für richtig handelt. Gott ist ein gnädiger Gott.

Das befreit niemanden von der Verpflichtung gut und rechtschaffen und zugunsten seiner oder ihrer Mitmenschen zu handeln. Aber es befreit davon, ständig von anderen beurteilt und verurteilt zu werden.

Albrecht Fitterer-Pfeiffer

Fürbittengebet:

Gott, wir bitten dich für diese Welt

Lass sie aus der hektischen Wachstumsspirale entkommen.

Lass die Menschen merken, dass weniger oft mehr ist

Lass sie Entscheidungen treffen, die ihnen mehr Zeit und Ruhe bringen,

auch wenn sie dabei weniger Geld verdienen.

Gestalte aber auch die Arbeitsverhältnisse so,

dass Menschen genug zum Leben verdienen,

ohne rund um die Uhr einsatzbereit sein zu müssen.

Gott, wir bitten dich,

gib uns die Einsicht, dass wir Zeit brauchen für dich,

dass es uns gut tut, die Stille zu suchen und auf dein Wort zu hören.

Lass unsere Kirchen zu Orten werden,

an denen Menschen sich frei und offen begegnen können.

Gott, wir bitten dich für Menschlichkeit auf der ganzen Erde.

Lass die Menschen überall ihre Regierungen so verändern,

dass sie nicht mehr den Machtinteressen der Wirtschaft dienen,

sondern dem guten Zusammenleben und dem Schutz unserer Umwelt.

Gott, wir bitten dich schließlich für all die Menschen,

die ganz andere Probleme haben als den Sabbat oder wie viel Zeit sie für sich haben, für die Menschen, die um ihr Überleben kämpfen in Flüchtlingslagern, Kriegsgebieten und Hungersnöten.

Gib ihnen eine neue sichere Heimat,

in der sie ohne Angst leben können und ein Auskommen haben.

Amen