Gottesdienste aktuell - zur Verteilpredigt

Derzeit bieten wir in der Regel mindestens zwei Gottesdienste im Monat in der Kirche an. Am zweiten (und teilweise auch am vierten) Sonntag jeden Monats bieten wir Verteilpredigten an, die hier veröffentlicht werden und die Sie in der Woche davor im Pfarramt bestellen können.

Gottesdienste der kommenden Zeit

Am Sonntag Remineszere (28. Februar) ist kein Gottesdienst in der Kirche. Die Kirche ist von 9 bis 11 Uhr zum Gebet geöffnet. Eine Verteilpredigt kann im Pfarramt bestellt werden, dann wird sie Ihnen vorbei gebracht. Ab Samstag Nachmittag liegt die Verteilpredigt vor der Kirche aus und wird hier im Internet eingestellt.

Am Sonntag Okuli (7. März) ist um 9.30 Uhr Gottesdienst im Lutherhaus. Den Gottesdienst hält Pfarrer Fitterer-Pfeiffer. Der Gottesdienst beginnt mit dem Posaunenchor im Freien zwischen Gemeindehaus und Kindergarten, die Predigt ist dann in der Kirche.

Am Sonntag Lätare (14. März) ist kein Gottesdienst in der Kirche. Die Kirche ist von 9 bis 11 Uhr zum Gebet geöffnet. Eine Verteilpredigt kann im Pfarramt bestellt werden, dann wird sie Ihnen vorbei gebracht. Ab Samstag Nachmittag liegt die Verteilpredigt vor der Kirche aus und wird hier im Internet eingestellt. Ein Gottesdienst zum Konfirmationsjubiläum kann in diesem Jahr nicht stattfinden.

Am Sonntag Judika (21. März) ist um 9.30 Uhr Gottesdienst im Lutherhaus. Den Gottesdienst hält Pfarrer Fitterer-Pfeiffer

Am Palmsonntag (28. März) ist um 18 Uhr Gottesdienst im Lutherhaus. Den Gottesdienst hält Pfarrer Fitterer-Pfeiffer. In diesem Gottesdienst werden wir unsere langjährige Kindergartenleiterin Frau Hessert in den Ruhestand verabschieden. Wer teilnehmen möchte, melde sich vorher im Pfarrbüro an!

 

Verteilpredigt für den Sonntag Reminescere, 28. Februar 2021

Verteilpredigt für Neureut-Kirchfeld am Sonntag Reminescere, 28. Februar 2021

Wochenspruch: "Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren." (Brief an die Gemeinde in Rom 5, 8)

Predigtabschnitt: Jesaja 5,1-5

1 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. 2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. 3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! 4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? 5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. 6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.
7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Liebe Gemeinde,

was hat eigentlich Gott für Gefühle? Können wir von Gottes Gefühlen reden? Haben wir überhaupt eine Ahnung davon? Wir reden gerne davon, dass Gott die Menschen liebt. Aber wir beschreiben diese Liebe dann oft ziemlich gezähmt, unendlich geduldig, gütig und barmherzig. Könnte es sein, dass Gott auch leidenschaftlich liebt? Heftig und fordernd, verlangend und voller Temperament? Warum gestehen wir Gott nicht zu, dass Gottes Liebe auch wild und voller Eifersucht ist?

Der Prophet Jesaja singt ein Lied von Gottes Liebe zu seinem Volk Israel. Und auch wenn ich spüre, dass mich die Leidenschaft irritiert, die in diesem Lied zum Vorschein kommt, beeindruckt sie mich zugleich. Wenn ich glaube und festhalte, dass wir Menschen Ebenbilder Gottes sind, dann muss ich doch Gott im Grunde zugestehen, dass Gottes Gefühle ähnlich heftig sein können wie meine – vielleicht ja noch heftiger.

Der Profet Jesaja singt ein Liebeslied Gottes zu seinem Volk, zu seinen Menschen und diese Liebe Gottes schlägt in Enttäuschung und Zorn um. Mich erschreckt das. Es stimmt nicht mit meinem Bild von Gott als geduldigem, gütigem verzeihenden Vater überein. Aber vielleicht habe ich ja Gott auch vor meinem inneren Auge zum etwas abgeklärten und müde gewordenen Großvater gemacht, der selbst bei einer Enttäuschung eher müde und vielleicht ein bisschen resigniert lächelt, statt auch mal zornig auf den Tisch zu hauen.

Das Bild vom liebenden und verzeihenden Gott ist mir über Jahrzehnte gepredigt worden, Geschichten von diesem verzeihenden Gott hat mir meine Religionslehrerin in der Grundschule schon erzählt und wahrscheinlich hat meine Mutter dieses Bild genährt, wenn ich mit schlechten Noten nach Hause kam, sturzbetrunken die halbe Wohnung vollgekotzt habe oder ihr Auto zu Schrott gefahren. Da war sie vielleicht ein wenig erschrocken, aber Sorge um ihre Liebe zu mir musste ich mir nie machen. Diese Bild vom liebenden und verzeihenden Gott habe ich selbst ein halbes Leben lang gepredigt und auch im Schulunterricht versucht weiterzugeben. Und wenn mir das nicht gelungen ist, dass war ich von mit selber enttäuscht.

Aus dem Umgang mit Suchtkranken aber wissen wir, dass es Punkte gibt, wo alle Geduld, alles Nachgeben und Verzeihen ein Ende haben muss und wo eine klare Grenze zu ziehen nötig ist. Ich denke da etwa an einen ehemaligen Alkoholkranken der mir nach vielen Jahren mal erzählt hat: Dass mich meine Frau damals aus der Wohnung geworfen hat, war das Beste was sie tun konnte. Damit hat sie mir geholfen. Das war der entscheidende Schritt, der mir klar gemacht hat, dass ich etwas ändern muss. Nur so habe ich später den Entzug geschafft.

Vermutlich brauchen wir Menschen manchmal auch den Gott, der Grenzen setzt. In der Bibel wird nicht selten von Gottes Zorn gesprochen. Sicher darf das nicht das beherrschende Bild von Gott werden. Aber es ist zu befürchten, dass wir auf die Vorstellung von einem zornigen Gott nicht vollständig verzichten können. Zumindest die Möglichkeit müssen wir einräumen, dass Gott sich auch einmal enttäuscht von uns abwendet. Denn wenn wir mit dem ständigen Bewusstsein leben: Am Ende verzeiht Gott ja sowieso – vielleicht fehlt uns dann ein Stück Motivation, unser Verhalten zu ändern.

Das aber ist es, worauf es letztlich ankommt: Dass wir Menschen unser Verhalten ändern:

  • Dass wir nicht immer nur auf unseren eigenen Vorteil schauen, sondern diejenigen bevorzugen, die sonst benachteiligt werden in der Welt.

  • Dass wir im Sinne derjenigen handeln, die Unrecht leiden.

  • Dass wir Frieden stiften

  • Dass wir das unsere tun, um unseren Planeten auch für unsere Enkelinnen und Ur-Enkel als lebenswert zu erhalten

  • Dass wir der Wahrheit Raum geben und der Gerechtigkeit

  • dass wir uns für Freiheit einsetzen, Freiheit der Religion, Freiheit, dass Menschen ihr Leben mit denjenigen teilen können, die sie lieben, Freiheit der Gedanken und Schutz des Privaten und so viele Freiheiten mehr

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, der in meinen Augen wichtig ist an Gottes enttäuschter und zorniger Liebe: dass auch wir Menschen manchmal zornig sein dürfen und vielleicht sogar müssen, wenn die Rechte anderer unterdrückt und mit Füßen getreten werden. Denn dieser Zorn birgt die Kraft zur Veränderung. Wenn Greta Thunberg zornig fragt: „How dare you …“ dann wird das zum heftigen Impuls dafür, dass Menschen sich einsetzen für das Klima. Wenn Demonstrantinnen in Weißrussland oder Myanmar zornig Freiheit fordern, wenn Chinesinnen in Hongkong demonstrieren oder voller Zorn und Enttäuschung Hongkong den Rücken kehren, dann ist das ein wichtiges Zeichen für die Diktatoren und Unterdrücker dieser Welt, dass sie nicht Recht und Freiheit ungestraft mit Füßen treten können. Wenn Christinnen und Christen in Indien unverdrossen ihrem Glauben folgen oder gar gemeinsame mit Muslimen der Hindu-Mehrheit trotzen, dann setzen sie ein wichtiges Zeichen für Vielfalt und Freiheit der Religion.

Albrecht Fitterer-Pfeiffer

Fürbitten

Am Sonntag Reminescere ruft die Evangelische Kirche in Deutschland zum Gebet für bedrängte und verfolgte Christinnen und Christen in der Welt auf. In diesem Jahr beten wir insbesondere für die Kirchen in Indien.