Gottesdienste aktuell

Vorläufig werden wir nur monatlich Gemeindegottesdienste in unserer Kirche feiern. An manchen Sonntagen bieten wir Verteilpredigten an, die hier veröffentlicht werden und die Sie in der Woche davor im Pfarramt bestellen können. An anderen Sonntagen werden wir hier Videogottesdienste anbieten. In der Regel finden Sie hier auch Fürbitten für den jeweiligen Sonntag.

Gottesdienste der kommenden Zeit

Am 9. Sonntag nach Trinitatis (9. August) finden Sie hier eine Predigt und Fürbitten auf der Homepage. Sie können die Predigt auch bis Freitag, 7. August, 11 Uhr, telefonisch oder per e-Mail beim Pfarrer  bestellen, dann wird sie Ihnen nach Hause gebracht. Die Predigt liegt zudem am Samstag von 14-18 Uhr und am Sonntag von 9-11 Uhr vor der Kirche aus.

Am 10. Sonntag nach Trinitatis (16. August) findet um 9.30 Uhr ein kurzer Gottesdienst mit Pfr. Fitterer-Pfeiffer in der Kirche oder bei gutem Wetter im Innenhof neben der Kirche statt.

Um 11.30 Uhr folgt ein Familiengotesdienst in Kooperation mit dem Deutsch-Afrikansichen Verein, mit anschließendem Spielangebot für Kinder

 

Am 11. Sonntag nach Trinitatis (23. August) finden Sie hier eine Predigt und Fürbitten auf der Homepage. Sie können die Predigt auch bis Freitag, 21. August, 11 Uhr, telefonisch oder per e-Mail beim Pfarreramt  bestellen, dann wird sie Ihnen nach Hause gebracht. Die Predigt liegt zudem am Samstag von 14-18 Uhr und am Sonntag von 9-11 Uhr vor der Kirche aus.

Am 12. Sonntag nach Trinitatis (30. August) findet um 9.30 Uhr ein kurzer Gottesdienst in der Kirche oder bei gutem Wetter im Innenhof neben der Kirche statt. Dekan in Ruhe W. Brjanzew wird den Gottesdienst halten.

Am 13. Sonntag nach Trinitatis (6. September) finden Sie hier einen Familiengottesdienst auf Video (siehe entsprehende "Meldung" auf der Startseite unserer Homepage).

Am 14. Sonntag nach Trinitatis (13. September) finden Sie hier eine Predigt und Fürbitten auf der Homepage. Sie können die Predigt auch bis Freitag, 11. September, 11 Uhr, telefonisch oder per e-Mail beim Pfarreramt  bestellen, dann wird sie Ihnen nach Hause gebracht. Die Predigt liegt zudem am Samstag von 14-18 Uhr und am Sonntag von 9-11 Uhr vor der Kirche aus.

Am 15. Sonntag nach Trinitatis (20. September) findet um 9.30 Uhr ein kurzer Gottesdienst mit Pfr. Fitterer-Pfeiffer in der Kirche oder bei gutem Wetter im Innenhof neben der Kirche statt.

 

 

Gottesdienst am 9. August 2020 (9. Nach Trinitatis) für Neureut-Kirchfeld Verteilpredigt von Pfarrer Fitterer-Pfeiffer

Wochenspruch

Denen viel gegeben wurde, von denen wird entsprechend viel gefordert. Und denen viel anvertraut ist, von denen wird umso mehr verlangt

(Lukasevangelium 12,48)


Predigttext

Das Buch Jeremia 1,4-10

4Das Wort Gottes erreichte mich: 5Schon bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt. Noch bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich an mich gezogen. Zum Propheten für die Nationen habe ich dich bestimmt. 6Ich sagte: Ach, Gott, du göttliche Macht! Ich kann doch nicht reden, ich bin noch so jung. 7Gott antwortete mir: Sag nicht, ich bin noch so jung. Denn wohin ich dich schicke, dorthin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du sagen. 8Habe keine Angst vor ihnen, denn ich bin mit dir, um dich zu retten – so Gottes Spruch. 9Dann streckte Gott die Hand aus, berührte meinen Mund und Gott sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund. 10Siehe, heute setze ich dich über die Nationen und über die Königreiche ein, um auszureißen und einzureißen, um zugrunde zu richten und niederzureißen, um aufzurichten und einzupflanzen.


Liebe Gemeinde,

I.

was ist eigentlich ein Profet und gibt es so etwas wirklich?

Ich vermute, im Islam ist das inzwischen einigermaßen klar und eindeutig: Da gab es zur Zeit der Bibel Profeten und Mohammed war der letzte Profet. Nach Mohammed gab es aus muslimischer Sicht keine Profeten mehr. Und bis Mohammed sind Profeten Gesandte Gottes, die den Menschen den Willen Gottes verkünden.


Biblisch ist der Befund komplizierter. Profeten sind einerseits auch hier Menschen, die in besonderer Weise den Willen Gottes verkünden. Es sind aber auch Leute, die die Zukunft voraussagen. Und Profeten stehen oft in einem kritischen Gegenüber zu den Mächtigen der Welt.

Gerade das Jeremiabuch berichtet auch von Profeten, die die Politik der Mächtigen gestützt haben, aber die werden als „falsche Profeten“ gebrandmarkt.

Biblisch gilt in der Regel Johannes der Täufer als der letzte Profet, Jesus vielleicht noch so ein bisschen, aber die Bibel wurde so irgendwann im 2. oder dritten Jahrhundert abgeschlossen und deshalb kann sie danach gar nicht mehr von Profeten berichten.


Aber Menschen, die profetische Aufgaben wahrnehmen, gibt es die nicht immer noch? Und Menschen, die profetische Gaben haben, vielleicht auch. Damit meine ich nicht einen irgendwie übernatürlichen Blick in die Zukunft. Damit meine ich mehr auch die Gabe, Menschen zu beeindrucken, Menschen mitzureißen, furchtlos gegen die Mächtigen aufzustehen. Mir fallen Berta von Suttner, Dietrich Bonhoeffer, Desmond Tutu, Martin Luther King oder Rigoberta Menchu ein. Mir fällt aber auch Mahatma Gandhi ein – und der war kein Christ, sondern Hindu.

Ist es angemessen, Menschen unserer Zeit Profeten und Profetinnen zu nennen?

Zugleich gibt es in unserer Zeit auch Menschen, die eher dem entsprechen, was die Bibel „falsche Profeten“ nennt. Menschen, denen es gelingt Massen zu begeistern und die zugleich Egoismus und Eigennutz predigen. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro lässt sich auch „Messias“ nennen, er scheint sich also für noch mehr als einen Profeten zu halten.


Auch wenn wir uns heute schwer tun, Menschen unserer Zeit als Profetinnen oder Profeten zu bezeichnen, kann ich mir doch vorstellen von so etwas wie „Inspiration“ zu sprechen und bestimmten Menschen und Bewegungen das auch zuzusprechen. Denn diese Menschen sagen, was heute nötig ist zu sagen, tun, was heute nötig ist zu tun und sie setzen dazu eine Menge aus Spiel, machen möglicherweise nicht die Karriere, die sie machen könnten, wären sie auf Macht in Politik und Wirtschaft aus oder auf ihren eigenen Vorteil. Diese Menschen setzen sich massiven Anfeindungen in der Welt aus.


Nun war auch schon zur Zeit der Bibel nicht unumstritten: Wer sagt denn Gottes Willen und wer nicht? Und unser heutiger Predigtabschnitt ist von dieser Auseinandersetzung geprägt.


II.1

Schon bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt. Noch bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich an mich gezogen. Zum Propheten für die Nationen habe ich dich bestimmt.

Das verleiht einem Menschen, der den Willen Gottes verbreiten will, natürlich Autorität. Die Aufgabe ist schon im Mutterleib bestimmt. Und da es für einen Profeten ist es entscheidend, dass seine Autorität anerkannt wird. Denn er baut nicht auf weltliche Macht, sondern auf natürliche Autorität, auf göttliche Sendung, auf die Wahrheit, die sich in seinem Tun und Reden erweisen muss. So ist es gut, wenn manchen die Begabung, Menschen zu überzeugen und zu begeistern schon in die Wiege gelegt ist.

Persönlich habe ich hier aber auch Anfragen. Die Erfahrung lehrt uns, dass Macht und Erfolg auch korrumpieren können. Und sicher gibt es Menschen, die tatsächlich jahrelang für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrem Land eintraten, wenn sie aber selbst zu Amt und Würden kamen, sich mehr dem Machterhalt als ihrer profetischen Aufgabe gewidmet haben.

II.2

Ach, Gott! Ich kann doch nicht reden, ich bin noch so jung. 7Gott antworte­te mir: Sag nicht, ich bin noch so jung. Denn wohin ich dich schicke, dorthin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du sagen.

Der Hinweis ist in meinen Augen wichtig: Wer recht hat, ist nicht vom Alter abhängig. Heute belächle auch ich manchmal Ideen und Vorstellungen junger Menschen als unrealistisch und bilde mir einiges auf meine Erfahrung ein. Aber ich erinnere mich gut, wie ich als junger Kriegsdienstverweigerer Ende der 70er Jahre von der Generation meiner Eltern vorhalten lassen musste: Mir fehle die Erfahrung von der Bosheit der Menschen und natürlich sei es unendlich wichtig, dass unser Land militärisch zu verteidigen sei. Damals hat mir diese Geschichte von der Berufung des jungen Profeten Jeremia Kraft und Zuversicht gegeben.

Und auch heute, erleben Jugendliche, die bei Fridays for Future unseren Lebensstil anklagen, viel herablassende Kritik von vermeintlich Erfahreneren. Aber das ändert eben nichts daran, dass die jungen Leute recht haben. Und eine Greta Thunberg versprüht da sicherlich mehr profetischen Geist als ein Friedrich Merz oder ein Olaf Scholz (Sie dürfen da gerne auch die Namen anderer gestandener Politiker einsetzen.)

II.3

Habe keine Angst vor ihnen, denn ich bin mit dir, um dich zu retten – so Gottes Spruch.

Wer Gottes Willen in der Welt sagt, macht sich zum Gespött der Leute. Ich finde es beschämend, wie etwa versucht wird, mit Bemerkungen über ihre Zöpfe oder über ihre autistische Tendenz, die inhaltlich Botschaft von Greta Thunberg in Misskredit zu bringen. Martin Luther King musste seinen Einsatz gar mit dem Leben bezahlen. Jeremia war als Profet im Gefängnis und hat immer wieder gelitten unter seiner Aufgabe. Das Bewusstsein, seiner oder ihrer Aufgabe, die Wahrheit zu sagen – womöglich Gottes Wahrheit zu sagen – lässt solche Leute manchmal als fürchterlich hartnäckig erscheinen, ist aber eine wichtige Hilfe, immer weiter für diese Wahrheit einzutreten.

II.4

Siehe, heute setze ich dich über die Nationen und über die Königreiche ein,

Das ist eine in meinen Augen spannende Aussage unseres Predigtabschnittes: Der Profet, der Kritiker, steht hier über den Mächtigen der Welt. Wer Gottes Wahrheit sagt, steht über dem König, aber auch über der Mehrheit, über der Macht der Wirtschaftsbosse. Das ist natürlich nur ein Anspruch, der an den tatsächlichen Machtverhältnissen in dieser Welt immer wieder scheitert. Aber dieser Anspruch ist ein ganz wichtiger Anspruch, der in der Welt helfen kann, Macht zu begrenzen und zu kontrollieren. Gott beauftragt Menschen mit der Kontrolle der Macht. Und diese Kontrolle geschieht durch die Autorität des Wortes. Das finde ich ein hilfreiches Konzept auf dem Weg zu einer wahrhaft funktionierenden Gesellschaft, an der alle Menschen teilhaben können. Bis in die Formulierung hinein ist das spannend: um auszureißen und einzureißen, um zugrunde zu richten und niederzureißen, um aufzurichten und einzupflanzen. Viermal einreißen und zerstören, vier Beispiele für Kritik. Aber die Aufgabe bleibt bei der Kritik nicht stehen. Auch die Ermutigung und die tatkräftige Unterstützung für den Aufbau einer partizipatorischen Gesellschaft gehört dazu: Aufrichten und einpflanzen.

Möge unsere Kirche, möge unsere Gemeinde ihre profetische Aufgabe in unserer Welt immer wieder wahrnehmen, Ungerechtigkeiten und die Zerstörung der Schöpfung zu kritisieren, aber auch friedliches Zusammenleben zu fördern und zu unterstützen. Amen

Albrecht Fitterer-Pfeiffer

 

 

Fürbitten 9. August 2020

Barmherziger und gnädiger Gott,

die Menschen in Beirut und im ganzen Libanon,

trauern und klagen, rufen verzweifelt zu dir.


Schenke inmitten der Zerstörung die Zuversicht,

dass Hilfe jetzt noch möglich ist,

den Trost, mit dem Hoffnung wieder keimen kann

und alle Heilung beginnt;

für all die über Nacht obdachlos Gewordenen und die Schwächsten,

die Kinder und Alten, die Schwangeren und Gebärenden,

die Gebrechlichen und Erschütterten bitten wir,

in aller Hilflosigkeit.


Öffne uns selbst die Herzen und Hände, damit die so dringend nötige Hilfe möglich wird und schnell zu den Menschen gelangt, die sie brauchen;

Schütze und bewahre die Helfenden aus vielen Ländern,

die sich auch inmitten der Corona-Krise auf den Weg machen,

um zu lindern und aufzubauen, was so sinnlos zerstört wurde.



In Vietnam ist seit 2009 der Orange Day (10. August) offizieller Gedenktag für die Opfer von Agent Orange.


Sei du, Gott, mitten in den Erinnerungen,

die auch in diesem Jahr vor allem Menschen in Vietnam

die Tragödie der Vergiftung ihres Landes durch amerikanische Flugzeuge vor Augen führen.


Wir rufen zu dir:

Für die Kinder Vietnam, die noch immer mit Missbildungen geboren werden, auch junge Menschen, die früh an Krankheiten durch dieses Gift sterben, für die Vielen, die das Unrecht kaum ertragen können,



Am 9. August wurde 1945 die Atombombe „Fat Man“ auf die japanische Großstadt Nagasaki abgeworfen. Über 70000 Menschen starben in Folge des Atombombenabwurfs.


Gott wir erschrecken vor der Macht der Waffen, die von Menschen gebaut werden. Lass Verhandlungen zur Zerstörung solcher Waffen von Erfolg gekrönt sein. Hindere die Verantwortlichen, die über solche Waffen verfügen, sie einzusetzen. Stärke die Menschen, die für Frieden in der Welt eintreten.



Du, Gott, hast allem Leben deinen Geist eingehaucht,

damit es blühe und wachse, auch wenn es endlich ist.

Wir rufen zu dir, im Angesicht der längst eingetretenen Klimakrise,

die unsere Kinder und deren Nachfahren

noch um so vieles mehr treffen wird als uns heute schon.


Sei du, Gott, treu und richte uns auf, damit wir nicht vor Angst vergehen, sondern selbst anders und achtsamer leben,

aber auch die zur Verantwortung rufen, die noch immer nicht wahrhaben wollen, dass der Schutz allen Lebens unser größtes Kapital ist.


Lass den unendlichen Reichtum der Natur für uns der Ansporn sein zu handeln, damit doch noch gelingt, was wir so sehr erhoffen, und aus dem schlimmsten, was geschehen mag, Neues entsteht, der ganzen Erde zur Freude und dir zur Ehre!